Warschau - Es vergeht kaum ein Tag an dem nicht irgendeine neue Negativ- Meldung zu den "eifrigen Bemühungen" um ehrgeizige polnische Infrastruktur- Projekte unter "Schlagzeilen" in den Medien erscheint. Der Traum von der Erstellung neuer Bahnhöfe, Eisenbahnstrecken, Zügen, Strassen und Wegen bis zur Fußballeuropameisterschaft 2012 ist längst weitestgehends ausgeträumt, doch umsomehr hofft man, dass wenigstens der Um- oder Neubau der Stadien und die wichtigsten Autobahnprojekte rechtzeitig bis zum Anpfiff fertig werden. Doch auch beim Autobahnbau sieht es nicht besonders gut aus, wenn auch die Regierung in Warschau sehr optimistisch ist was den Zeitpunkt ihrer Fertigstellung betrifft. Wenn man allerdings mitbekommt wie es derzeit um die Nord-Süd-Verbindung A1 von Danzig nach Gleiwitz in Schlesien und der sehr wichtigen A2 Frankfurt/Oder bis Warschau bestellt ist, kommen auch hier arge Bedenken auf. Neben den bekannten Verzögerungen durch Blockaden von Anwohnern, gibt regelmäßig Probleme wegen Auschreibungen, Nachforderungen, Preisabsprachen, Zoff mit Dieben oder Betrügern. Bilder symbolischer Spatenstiche hat man schon genug gesehen, jetzt erwartet man ängstlich solche einer "neverending Story".
Neue Episode Autobahn Poznan - Frankfurt
Zum ersten Spatenstich der Erstellung eines 107 Kilometer langen noch fehlenden Teilstückes (Tomysl-Swiecko) der Autobahn A2 zwischen Frankfurt/Oder und Posen setzte man bereits vor Monaten an, nachdem zuletzt wieder einmal mehr als ein Jahr Verzögerung durch Streitereien wegen Geld eingetreten war. Nach einer aktuellen Meldung aus dem Ministerium für Infrastruktur, soll es nun dann endlich im Oktober, also nicht lange vor Wintereinbruch, losgehen. Ernsthaft beginnen dürfte man dann aber wohl nicht früher als zum März des kommenden Jahres. Wie ein Sprecher der Generaldirektion für Landesstraßen und Autobahnen bekanntgab, wird dieses Teilstück rund 3 Milliarden 200 Millionen Zloty kosten, also wesentlich weniger als die ursprüngliche Schätzung von angeblich 5,7 Mrd. Zloty.
Erste Spatenstiche auf Trasse Warschau - Lodz
Auch im weiteren Verlauf der A2 auf der Strecke von Lodz nach Warschau läuft nichts nach Plan und Ehrgeiz. Hier hatten sich Anfang des Jahres auch chinesische Firmen, zum Leidweisen von Strabag, Alpine, Budimex und Co, eingeklinkt und die Konkurrenz mit Dumping Preisen erschreckt. Während an zwei kleineren Teilstücken hier bereits seit dem 14. Juli vorsichtig gebaut wird, kann es auf der Trasse Stryków-Konotop (91 Kilometer Bauabschnitt B) "voraussichtlich" auch erst im Oktober losgehen. "Der erste Spatenstich ist jedenfalls vollbracht und nun muss man mal weiter sehen" - verkündigte die polnische Straßenbaudirektion GDDKiA, die sich wohl am emsigsten um die Umsetzung wichtiger Autobahn- Projekte noch vor Beginn der Euro 2012 einsetzt.
Frau des Schatzministers mit im Geschäft
Welche Gier die Aussicht auf Milliarden EU- Geldern verbunden sein kann, zeigen gleich mehrere aktuelle Fälle in denen es jeweils um Millionenschäden geht, die gleichzeitig auch zu Behinderungen und Verzögerungen des Baues am geplanten Autobannetz führten. Wie sollte es auch anders sein, haben hierbei offenbar auch Politiker ihre Finger im Spiel, was uns zuletzt die dubiose Tätigkeit der Ehefrau des polnischen Schatzministers Aleksander Grad bewies, der es doch tatsächlich gelang als Mitinhaberin einer Baufirma ohne Ausschreibung an den Auftrag für den Bau eines 7 Kilometer langen Teilstückes der A1 Danzig-Schlesien zu kommen. Der für die GDDKiA nicht gerade vorteilhafte Vertrag wurde bereits im Jahre 2004 geschlossen. Aber erst kürzlich will man bemerkt haben, dass hierzu Auschreibungsunterlagen garnicht vorhanden sind.
Autobahn auf Sand gebaut
Nich weniger dreist zeigte sich ein "Bauunternehmen" das den Auftrag für ein 20 Kilometer langes Teilstück der A1 hat, was Bytom mit Piekary Slaskie und Zabrze-Maciejowice verbinden soll. Gerade hier gab es vorher schon etliche Verzögerungen durch Proteste und Blockaden von Anwöhnern. Als in der Nacht zum Freitag eine Sondereinheit der Polizei an der Baustelle auftauchte und Arbeiter sowie ihren Chef zwischen den Baggern jagen musste weil sie zu fliehen versuchten, wusste man das irgendetwas hier wieder schlecht lief. Nach Informationen der Straßenbaudirektion GDDKiA hatte man die Männer auf frischer Tat auf einem bereits fertigen Abschnitt dabei erwischt, die früher hier zur Verhärtung eingefüllten Dolomit- Schichten gegen kontaminierte Erde aus Kohle-Abraumhalden auszutauschen.
Die Spitze vom Eisberg
Mehrere bereits mit Mineralstoffen gefüllte 30 Tonner wurden sichergestellt. Diebstahl und Betrug sollen hier schon längere Zeit laufen, man spricht von der Spitze eines Eisberges. Wahrscheinlich wird man nun Teile der durch diese Firma fertiggestellten Autobahn wieder aufreissen müssen, denn der Abfall- Untergrund ist nicht nur aus biologischen Gründen unzulässig, da die Fahrbahnen später aufreissen bzw. absacken können. Die Polizei schätzt, dass die Diebe bereits Gewinne in Millionenhöhe "eingefahren haben. Eine Tonne Dolomit kostet in Polen umgerechnet zwischen 50-75 Euro. Für den Bau von nur einem Kilometer Autobahn braucht man bis zu 160.000 Tonnen mineralische Rohstoffe wie Dolomit.
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