STOCKHOLM - In ganz Schweden, im Lande des in der Boulevard-Presse genannten "Mastermind" vom Diebstahl der Auschwitz Aufschrift "Arbeit macht frei", erschien am Mittwoch gerade einmal eine einzige mickrige Meldung über die in Deutschland zur gleichen Zeit als Sensation angepriesene Verwicklung eines angeblich ehemaligen schwedischen Neo- Nazi Chefs, der für den erfolgreichen Klau der Gedenktafel lt. Daily Mirror und Aftonbladet eine Million Euro bekommen sollte. Welt, Bild und sogar Stern und Spiegel haben wahllos aus Artikeln polnischer Medien Angaben eines Krakauer Staatsanwaltes, völlig zusammenhanglos und ohne Hintergrundwissen zitiert, und dabei wesentliche Punkte bewusst oder fahrlässig übersehen, die der Aufklärung ihrer Leser über den Fall sicherlich näher kommen, als die bloße Behauptung: "Jetzt ist es amtlich " Schwede gab den Auftrag für den Diebstahl der Auschwitz Tafel". Vor ein paar Tagen war die Sensation ein Hintermann aus Großbritannien, doch von dem spricht nun schon keiner mehr.
Journalisten schreiben blind und gedankenlos ab
Nicht zufällig, sind es auch in diesem Falle wieder einmal die deutschen Zeitungen, welche schon wie irrsinnig seit geraumer Zeit eine ethisch wenig wertvolle Hatz gegen die deutsche Vertriebenchefin Erika Steinbach betreiben oder den tödlichen Schweinegrippenvirus in Deutschland und Europa verbreiteten. Ihnen sei gesagt, dass garnichts amtlich ist, denn der ganze Auschwitz- Diebstahl ist selbst für die schwedische Polizei, in Fragen angeblicher Hintermänner der Tat kaum nachzuvollziehen und schon fast peinlich lächerlich, denn ausser Hinweisen aus Polen und einem Mann den man für einen Trittbrettfahrer hält, haben die Behörden in Stockholm nämlich garnichts. Erst jetzt ging ein vermisstes Amtshilfeersuchen der polnischen Justiz per Fax in Schweden ein, sieben Tage nachdem es angeblich in Krakau abgesandt worden war. Die schwedische Polizei beschäftigt sich erst seit wenigen Stunden mit dem Fall überhaupt , doch in Deutschland hat man alles bereits aufgeklärt.
"Täter" fürchtet um sein Leben
Aufgeklärt ist derweil nicht einmal warum ein Schwede, den man Anders H. nennt und sein Gesicht permanent verschleiert, sich selbst der polnischen Polizei und Interpol angeboten haben soll, bei der Aufklärung des Diebstahls zu helfen, bevor überhaupt gegen die vermeintlichen Diebe Haftbefehle erlassen wurde. Warum fürchtet er jetzt sogar angeblich um sein Leben ? Weil er der Polizei alles verriet, oder seine ehemaligen Genossen ihn umbringen wollen, worauf er mit beiden Zeigefingern hinweist ? Eine Million Euro für eine zerstörte Gedenktafel, wobei das Geld für eine Reihe von Terroranschlägen gegen die schwedische Regierung und Parlaments verwendet werden soll ? Anders H. war laut Medien der Finanzchef einer fiktiven Neo- Nazi Gruppierung. Andere behaupten, dass er schon früher aus der Szene ausgestiegen war.
"Hintermann" kontaktierte selbst polnische Polizei
Die "reuige" Schwede hat in den letzten Tagen mehrmals "seinen Anwalt" aufgesucht, der kein geringerer ist als Stockholms Staranwalt Peter Althin, der diese Besuche bereits bestätigte: " Er kam in mein Büro. Ich sagte ihm, wenn er wegen seinen Taten angeklagt werde, ich natürlich die Verteidigung übernehmen werde". Für den Anfang hatte er sich schon einmal eine Kopie des polnischen Rechtshilfeersuchens bei der örtlichen Staatsanwaltschaft besorgt. Laut Althin habe sein Mandant, nachdem er bemerkt hatte welchen Wirbel und Empörung der Diebstahl der Tafel weltweit auslöste, kalte Füße bekommen und sich selbst mit der Polizei in Krakau in Verbindung gesetzt. Er soll dann telefonisch den Kontakt zu den polnischen Behörden permanent aufrecht erhalten haben. Das Amtshilfeersuchen an Schweden habe man gestellt, weil dies die internationale Regel sei, um Täter, Zeugen und Opfer im Ausland vernehmen zu lassen.
Identität des Möchtegern-Superhirns längst bekannt
Es gibt Spekulationen, dass der angebliche schwedische Anstifter des dubiosen Diebstahls in Auschwitz jetzt an einem unbekannten Ort lebe und darauf warte, eine neue Identität zu erhalten. Er verbringe seine Tage unter dem Schutz von Agenten, die einzig die Aufgabe haben jeden Versuch der Vergeltung von der schwedischen Neonazi-Gruppen wegen dem Verrat, im Keime zu ersticken. Bezeichnend für die unzähligen Ungereimtheiten und Spekulationen in der Sache ist auch, dass im schwedischen Fernsehen tatsächlich ein Auschnitt mit Bild aus dem Pass von Anders H. gezeigt wurde, angeblich aber keiner weiss wie der Täter wirklich heisst, noch wie er aussieht. Die Kopie kann aber nur aus dem Zentral- Register der Meldebehörde oder des Passamtes kommen, womit auch dem Fernsehen seine Identität klar sein müsste. Wenn heute ein polnischer Staatsanwalt behauptet, dass Anders H. mit Neonazis überhaupt nichts zu tun hatte, als es um den Diebstahl der Gedenkschrift ging, dann wird hiermit der Fall erst recht zum Politikum, wobei Polen damit in Verdacht gerät, "zum Wohle der Nation", sich eines Fakes bedient zu haben oder gar auf einen primitiven Trittbrettfahrer hereinfiel.
Medien zitieren sich gegenseitig
Die schwedische Boulevard- Zeitung "Aftonbladet" bezieht sich in ihrer Berichterstattung immer auf polnische Quellen bzw. Medien. Diese wiederum nennen dann "Aftonblat" als Quelle. Die Deutschen Medien berufen sich auf beide Quellen und bringen alles durcheinander. Am späten Mittwoch Nachmittag erfuhr "Polskaweb" durch einen Sprecher der Polizei von Malopolska, in deren Verantwortungsbereich Auschwitz liegt, dass seine Behörde zu keinem Zeitpunkt Signale von Interpol, noch dem schwedischen Justizministerium erhalten habe, dass der vermeintliche Hintermann des Diebstahles der Gedenktafel mit Neo- Nazis in Verbindung stehe oder stand. Eine derartige Meldung habe man aber in polnischen Medien entdeckt, die sich in ihrer Berichterstattung auf Angaben einer ausländischen Tageszeitung beriefen. Der Polizeisprecher bestätigte aber, dass es über einhundert Anrufe u.a. aus Schweden bereits am Tage nach dem Diebstahl gegeben habe, wobei die tatsächlich wertvollen Hinweise aber von Polen kamen.
Jahrestag von "Auschwitz- Befreiung" ante portas
Wir sind nun darauf gespannt, was die "so toll recherchierenden" ausländischen Medien wie z.B. in Deutschland und Schweden sich als nächstes für ihre Berichterstattung zum Auschwitz- Klau so alles noch einfallen lassen und wer wen als nächstes zitiert. Eigentlich wäre ja jetzt mal wieder der Daily Mirror an der Reihe. Auf jeden Fall wird es in zwei Wochen zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, der nicht in Israel aber in Polen gefeiert wird, wieder in deutschen Medien Platz für tolle Schlagzeilen geben wie: "Heldenhafte rote Armee befreite Auschwitz nach verlustreichen Kämpfen gegen die deutschen Besatzer", obwohl bei ihrem damaligem Eintreffen am Konzentrationslager schon längst keiner mehr da war. Wir grüßen herzlichst unsere "faulen" Kollegen in den og. Ländern.
Datum: 6. Januar 2010
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Sache nicht rund
Geschrieben von: Bürger () am 07-01-2010 09:41