"Banken betrügen ihre Kunden durch Manipulationen und führen sie in die Irre" - alamiert das führende polnische Wirtschaftsmagazin "Puls Biznesu". Wer behauptet sowas ? Die Ombudsstelle für Wettbewerb und Verbraucherschutz, die Polizei, oder gar der Präsident der polnischen Finanz-Kommission ? Nein, es ist der Präsident der populären "ING Bank Slaski" Brunon Bartkiewicz, der in einem Interview zum einen sich die Sünden der Kreditinstitute nicht mehr mit ansehen möchte und zum anderen einen sehr unfairen Wettbewerb seiner Branche in Polen anprangert. Gleichzeitig räumte Bartkiewicz aber auch ein, dass selbst die ING Bank durch die Vergabe von zu vielen Krediten in Schweizer Franken gesündigt habe, was er als Beitritt zum kollektiven Kredit- Wahnsinn bezeichnete. Kunden polnischer Banken klagen schon seit Monaten über immer höhere Gebühren, Provisionen und Zinsen die durch undurchsichtige Verträge immer mehr Schrecken annehmen. Die Banken hingegen jammern wegen x- tausender Not leidende Kredite, welche aus Finanzierungen in Schweizer Franken in Verbindung mit dem Wertverfall des Zloty resultierten.
"Niemand verbietet den Banken die Durchführung von Maßnahmen auf die eine oder andere Weise. Jeder macht was er will. Selbstmord, nach finanziellem Ruin, schädigt auch das Image des Bankensektors, denn dies trägt dazu bei den Eindruck zu erwecken, dass der Kunde sich aufgrund unlauterer Praktiken das Leben nahm" - klagt der Präsident der ING Bank Polen und wird hierfür von der Branche nicht gerade gelobt. Brunon Bartkiewicz betonte, dass die Kunden wohl eher selten auf undurchsichtige Klauseln in Verträgen hingewiesen würden und dadurch regelrecht zu Betrugsopfern würden. Er fordert ein sofortiges Ende dieser Manipulationen. Als krasses Beispiel erwähnt er z.B. Angebote im Termingeldbereich, wo die Banken mit bis zu 9 % Zinsen werben, es aber unterliessen darauf hinzuweisen, dass dieser Vorteil für die ersten 3 Tausend Zloty nicht gelte, was man nur nach sehr eingehendem Studium eines solchen Vertrages, irgendwo im Kleingedruckten finde. "Die Zuverlässigkeit einer Bank zeichnet sich nicht durch mangelnde Transparenz und versteckten Hacken aus" - mahnt Bartkiewicz zu Recht.
Die scharfe Kritik an der eigenen Branche macht den ING Bank Chef aber nicht nur zum "Nestbeschmutzer" unter den polnischen Bänkern. Er kritisierte auch die teilweise undurchsichtigen und fortwährend steigenden Bankgebühren, sowie die Abzocke bei Hypothekendarlehen in Franken bei steigendem Zloty, durch ausländische Banken. Die meiste Kritik, nicht nur durch Bartkiewicz, müssen hierbei die polnischen Töchter der deutschen Commerzbank "BRE-Bank", "Multibank" "MBank" usw. einstecken. Erst vor zwei Wochen wäre es fast zum Sturm von Filialen dieser Banken gekommen. Mehr als 20 000 Kunden dieser deutschstämmigen Geldinstitute, die vor dem September 2006 einen Kredit in Schweizer Franken zur Finanzierung eines Eigenheims aufgenommen hatten, waren auf die Barrikaden gegangen, weil ihrer flexibler Kreditzins nach Zinssenkungen durch die Schweizerische Nationalbank einfach nicht reduziert wurde. Ähnlich schlechte Erfahrungen hatte man auch mit der MBank gemacht. Die Medien hatten dann in diesem Zusammenhang mit ihrer Kritik keine gute Werbung für diese Banken und ihre Muttergesellschaft übrig. Viele Kreditkunden verlangen nun die Übertragung ihrer Verbindlichkeiten zu anderen Banken.
Auch bei der Gebührenabzocke stehen BRE Bank und MBank ganz oben auf der Liste. Für das Commerzbank Engagement in Polen sieht es schon seit Mitte 2008 garnicht mehr gut aus. Die Aktien sind teilweise im freien Fall. Alleine die BRE Bank soll im zweiten Quartal 2009 weit über 100 Millionen verloren haben. Das mag der Grund sein warum man jetzt durch völlig unbegründete und sinnlose Gebührenerhöhungen, noch das Letzte aus seinen Kunden herauszupressen versucht. Der Präsident der ING Bank Slaskie Brunon Bartkiewicz scheint hier etwas intelligenter zu sein als die deutsche Konkurrenz, denn er hat erkannt dass nur mit Ehrlichkeit und Selbstkritik noch Zuwachs geschaffen werden kann. Die deutschen Banken haben mit solchen Eigenheiten ja bekanntlich wenig am Hut. Übrigens gibt es die ING Bank auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch die Deutsche Bank S.A. in Polen erhöhte kräftig Gebühren und andere Kosten zum Nachteil der Kundschaft. In einer Begründung hiess es hierzu, dass man seine Leistungen optimieren wolle .....
In Polen gibt es keine ausreichenden Bestimmungen über Werbung für Bankdienstleistungen. Man hat praktisch "freie Hand" um potentielle Kunden zu gewinnen. Der einfache Pole ist leicht zu fangen wenn der Haken sich in Form von 3 Sternen im Rahmen der Verträge versteckt. Die Aktivitäten der Banken in diesem Zusammenhang sind zumindest unethisch wenn nicht sogar Betrug, weil sie auf Unwissenheit der Bürger setzen. Sicherlich hat die Krise dazu beigetragen, dass im Kampf um Kunden bei den Banken die Ehrlichkeit gänzlich auf der Strecke geblieben ist. In Polen mangelt es deshalb immer mehr an Vertrauen in die Geldinstitute. ING Bank Slaskie Präsident Brunon Bartkiewicz hat offensichtlich als Erster diese Rückkehr der Bürger zum Sparstrumpf erkannt und durch ein öffentliches Geständnis zur Umkehr aufgerufen. Geldinstitute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, welche nach Mittel- und Osteuropa kamen um das große Geld zu machen, könnten sich dagegen mit ihrer Taktik arg verechnet haben.
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Abzocker!
Geschrieben von: Ick () am 29-07-2009 21:56