Slubice - Ex- Premier Jaroslaw Kaczynski, Bruder des am 10. April bei einem Flugzeugabsturz in Russland getöteten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski, führte es am Samstag im Rahmen seiner Wahlkampf- Tour durch Polen sogar bis auf die Oderbrücke nach Frankfurt, wo er in Richtung Deutschland zeigend, den ihm folgenden Bewohnern der Grenzstadt Slubice seine neue politische Strategie im Zusammenleben mit dem Nachbarn auf der westlichen Seite des Flusses erklärte. Diejenigen welche sich noch daran erinnerten wie Kaczynski noch vor drei Jahren nicht selten persönlich oder über andere gegen Deutschland und die Deutschen wetterte, hörten mit offenem Mund zu, wie der Präsidentschaftskandidat und Vorsitzende der Partei Recht und Gerechtigkeit (PIS) sich vor versöhnlichen Tönen und Lobeshymnen über die Deutschen garnicht mehr einholte. Seine bekannten geschichtspolitischen Sprüche hatte er gar komplett zu Hause gelassen und sprach stattdessen völlig unerwartet von "Versöhnung" und "wertvollen Kontakten zwischen jungen Menschen beider Länder".
Über die Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen
Jaroslaw Kaczynski sprach auf der Oderbrücke vor allen Dingen über die deutsch-polnischen Beziehungen: "Sie haben eine lange Geschichte und sie waren oft dramatisch und schwierig, besonders im zwanzigsten Jahrhundert. Ich betonte aber, dass dies auch in der Zukunft nicht vergessen werden sollte. Wir müssen auf die Zukunft zu bauen. Auf Versöhnung und zwischenmenschliche Kontakte. Dies ist für uns eine sehr wichtige Aufgabe" - sagte der Ex- Premier und marschierte zum Beweis seiner Aufrichtigkeit weiter über die Brücke ins deutsche Frankfurt/Oder ein, wo er von Bürgermeister Martin Wilke herzlichst empfangen wurde. Nach dem Austausch von Geschenken, nahm Kaczynski u.a. an einer Sitzung mit wichtigen Persönlichkeiten der Stadt teil.
Erfolg Polens ist die deutsche Unterstützung
Jaroslaw Kaczynski hatte auch während einer Kundgebung in Slubice daran erinnert, dass Deutschland der größte Wirtschaftspartner Polens ist und der Erfolg Deutschlands auch ein Erfolg für Polen sei. Die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Deutschland sieht er gar nun als Voraussetzung für die polnische Entwicklung an. "Diese Zusammenarbeit muss noch weiter verstärkt werden. Allen dürfte klar sein, dass unser zuletzt kräftig wachsender Wirtschaftserfolg, ohne die Unterstützung Deutschlands nicht möglich gewesen wäre. Für die Deutschen ist es wichtig, dass der Wohlstand in Polen stetig steigt, womit es auch für sie leichter wird" - überzeugte der Parteichef seine Zuhörer und fügte hinzu, dass eine gute Politik und Wirtschaft im Nachkriegs- Deutschland zur raschen Entwicklung des Landes geführt hatte.
Über Polen und EU
Kaczynski sprach auch über Polens Rolle in der Europäischen Union. Nach seiner Meinung sollte das "Experiment" auf der Grundlage des Kompromisses und der Gleichheit weitergeführt werden. Er bemerkte dass Polen - wie jeder souveräne Staat in der EU - das Recht haben sollte, eine eigene Meinung zu haben. "Die Europäische Union ist eine große Schule der Kompromisse zwischen Ländern bzw. verschiedenen Nationen und das sollte auch so bleiben" - betonte Kaczynski.
Kaczynski aus tödlichen Fehlern seines Bruders gelernt
Es gibt Polen die Jaroslaw Kaczynski auch heute noch nicht über den Weg trauen und seinen Mentalitätswandel nach dem Tode seines Bruders für einen Trick halten, um schnell wieder an die Macht zu kommen. Wir sehen das anders. Er hat aus den lebensgefährlichen Fehlern seines Bruders gelernt und gemerkt, dass es Bewegungen in der Welt gibt, die auch schon deutsche führende Politiker zu Marionetten gemacht haben und vor nichts zurückschrecken.
Tusk setzt jetzt auf Postkommunisten
Der PIS Vorsitzende hat gute Chancen neuer Präsident Polens zu werden. Seine Partei strebt nun eine Koalition mit der zur Zeit noch mitregierenden Bauernpartei PSL an, da die Bürgerplattform (PO) von Donald Tusk, die seit der Katastrophe bei Smolensk pausenlos Unterstützer verliert, jetzt ihr wahres Gesicht zeigt und auf die postkommunistische SLD setzt. Kwasniewski, Miller und Co. fühlen sich seit dem Tode von Lech Kaczynski überhaupt zu neuer Stärke erwacht, als hätten sie den unbequemen Präsidenten selbst abgeschossen. Auch Moskau setzt natürlich auf eine Koalition aus SLD und PO.
Polskaweb ist davon überzeugt, dass ehemalige kommunistische Agenten, im Auftrage von führenden Politikern Polens und Russlands, Lech Kaczynskis Flugzeug in Russland abgeschossen haben. Wir glauben auch, dass Jaroslaw Kaczynski die Umstände längst kennt und nun seinerseits auch um sein Leben fürchtet. Er wird somit keinesfalls zur lebensgefährlichen Geschichtspolitik zurückkehren und sich nicht einmal darüber beschweren, wenn die Ergebnisse der kommenden Präsidentenwahlen nachweislich manipuliert wurden.
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Kaczynski durch Smolensk geläutert?
Geschrieben von: Stefan () am 08-06-2010 15:28