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Polen schockiert: US Medien kritisieren Irena Sendler Film PDF Drucken

Veröffentlicht in : Nachrichten, Schlagzeilen




Der Film über Irena Sendler (Video)Das Leben der polnischen Heldin Irena Sendler, die in der Welt meist in einem Atemzug mit dem deutschen Juden- Retter Oskar Schindler genannt wird, wurde im Auftrage des US TV-Giganten "CBS" im vergangenen Jahr in einem Film umgesetzt, welcher am Sonntag in den USA Premiere hatte. Doch wider Erwarten wurde der Streifen schon wenige Stunden nach seiner Uraufführung, mit einem kräftigen Seitenhieb in Richtung Polen, enorm kritisiert. Vor allen Dingen die Kolumnistinnen Dorothy Rabinowitz (Wall Street Journal) und Ginia Bellafante (New York Times) ließen kein gutes Haar an der Qualität des in Lettland gedrehten Sendler Filmes "The Courageous Heart of Irena Sendler" (das mutige Herz der Irena Sendler) und bemängeln , dass es dem Film an unerlässlichem Hintergrund fehle, welcher aufzeigen sollte, in welchem Verhältnis die meist antisemitischen Polen damals zu ihren jüdischen Nachbarn standen.

Die Autorin der Kritik im "Wall Street Journal" Dorothy Rabinowitz kritisiert äusserst scharf, dass in dem Film über Irena Sendler, welche während des zweiten Weltkrieges 2500 Kindern das Leben gerettet haben soll, die wichtigsten Hintergründe fehlen oder kaum rübergebracht wurden: "Der Film zeigt deutlich, dass die Heldin nicht alleine in ihrer Mission in einem Land war, wo der Antisemitismus der Bevölkerung nicht abnahm. Polen die sich für das Verstecken von Juden gut bezahlen liessen, oder sie zwangen regelmäßig "Schweigegelder" zu zahlen, um sie dann an die Deutschen zu verraten wenn ´sie nicht mehr zahlen konnten, gab es überall. Es gab natürlich, ebenso wie in Deutschland, auch eine andere Schicht der Gesellschaft, deren Mitglieder durchaus Juden mit falschen Papieren ausrüsteten, oder ihnen anderweitig den Tod ersparten. Sie waren sich der Gefahr bewusst, welcher ihr Engagement ausgesetzt waren. Es waren meist intelligente Menschen aus den Reihen der politischen Aktivisten und der katholischen Kirche, welche sich auf der sog. "Arische Seite" des damaligen Lebens auf die Suche nach Verstecken für Juden machten. Doch das waren nicht viele" - schreibt Rabinowitz.

In Polen wird die Premiere des Sendler Filmes mit dessen Kritik als Niederlage empfunden und heftig debattiert. Polnische Medien bezeichnen diese als "beängstigend" und "beschämend", ohne sich hierbei auf die in der Kritik deutlich gemachten Vorwürfe gegen die eigene Nation Stellung zu beziehen. Kritik gibt aber auch der Film selbst wieder, indem er die heldenhafte Geschichte Irena Sendlers kläglich melodramatisch in diversen Liebeszenen und endlosen Gesprächen die immer im gleichen Raum stattfanden, einfach untergehen lässt. Die unumgängliche Darstellung der wahren Verhältnisse damals, wozu auch der Verrat und die Erpressung an Juden, die Rolle der jüdischen und polnischen Polizei und auch die bestochenen SS Wachmannschaften, die sich ja dadurch neben den Helden, selbst in Lebensgefahr begaben, muss man gänzlich im Sendler Film vermissen. Zahlreiche Ungereimheiten prägen dann auch die Arbeit von Regisseur John Kent Harrison, dem es auch eingefallen war, ausgerechnet einen polnischen katholischen Priester zum weiteren Helden zu machen, da ja die Idee von der Umsetzung der Rettung von jüdischen Kindern bekanntlich nicht von Irena Sendler selbst kommen konnte.

Viele amerikanische Medien haben "The Courageous Heart of Irena Sendler" mit schlechter Kritik versehen. Hierzu gehörte auch eine langgezogene Szene wonach Irena Sendler ihren zukünftigen Ehemann im Warschauer Ghetto kennen- und lieben gelernt haben soll. Als "Eine dunkle Geschichte" - bezeichnet Ginia Bellafante (New York Times) in ihrer Kritik gerade diesen Teil des Filmes, welche dann das sog. "Happy End" sein sollte. Sie vergleicht im großen und ganzen den Film mit dem Klischee aus Hollywood Produktionen über die Shoah, in denen die Juden völlig passiv auf ihre Schlachtung warten. "Für mich fehlte in diesem Film als ein absolutes Muß der Bezug zum Verlauf der Geschichte, in dem vor allen Dingen die Komplexität der Beziehungen zwischen Polen und Juden zur Sprache kommt. " - schreibt die Kolumnistin. Für sie ist der Film ein kompletter Reinfall.

In den US-Medien- Berichten über den zweiten Weltkrieg wird die Haltung der Polen gegenüber den Juden oft im Zusammenhang mit der Antisemitismus und einer stillen oder ausdrücklichen Zustimmung zur Vernichtung der Juden erwähnt. Für einige Kritiker schien die Darstellung der Weitergabe von jüdischen Kindern aus dem Warschauer Ghetto in polnische Familien sogar sehr weit hergeholt. Man erinnerte daran, dass nur wenige Juden tatsächlich glauben wollten was ihnen in Treblinka oder Auschwitz widerfahren könnte, was auch der relativ geringe Widerstand der Juden gegen die Deutschen beweise. "Deutschland war Meister der Propaganda und gaukelte den Opfern vor dass sie aus dem Ghetto heraus in ein besseres Leben kommen würden, was allerdings durch Arbeit für das Reich gekennzeichnet sein werde. Unklar ist in diesem Zusammenhang wie man demnach dem Zuschauer beibringen will, dass Tausende von Eltern trotzdem ihre Kleinkinder der Organisation Żegota (s. Erläuterung) bzw. Irena Sendler übergaben, welche diese in christliche Familien unterbrigen wollten" - heisst es in einer anderen Kritik.

Irena Sendler, die im vergangenen im Alter von 98 Jahren starb wurde für die Rettung des Lebens von 2500 jüdischen Kindern während des Zweiten Weltkrieges hoch geehrt. Im Jahr 2007 wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert, verlor aber ausgerechnte gegen den grünen Trittbrettfahrer Al Gore. Die richtigen Eltern ihrer geretteten Kinder konnten nach dem Kriege nicht mehr gefunden werden. Sie hatte hierzu auch ihre Listen mit den Namen der Kinder und Eltern nach Israel geschickt. Unklar ist auch weitestgehends das Schicksal der Kinder, denn es werden immer nur zwei oder drei Namen in diesem Zusmmanhang genannt. Einer davon ist Elzbieta Ficowska, das jüngste Kind, das Irena Sendler gerettet haben soll. Sechs Monate soll sie alt gewesen sein (andere Quellen sprechen von 6 Jahren), als sie im Juli 1942 in einer Holzkiste in einem Wagen aus dem Ghetto geschmuggelt wurde. Sie begleitete Irena Sendler in den letzten zwei Jahrzehnten und kümmerte sich um die Vermarktung ihrer Geschichte.

Nach dem zweiten Weltkrieg unterdrückten viele polnische Juden ihre wahren Identitäten und heirateten in der katholischen Bevölkerungsmehrheit. Sie hatten Angst vor den Nachkriegs-Pogromen und dem Antisemitismus des von Moskau gebackenen kommunistischen Regime. Negative Ereignisse im Bezug auf den Antisemitismus in Polen setzten sich bis heute fort. Selbst der katholische Radiosender "Radio Maryja" schämt sich nicht fortwährend antijüdische Parolen in die Welt zu setzen. Eine der schlimmsten Ausfälle gab es hierzu während der Kaczynski Regierung, als dieser Sender die Rückgabeforderung jüdischer Opferverbände als "Holocaust Business" bezeichnete. Polnische Holocaust Opfer warten bis heute vergeblich auf ihre in Polen verlorenen Immobilien oder Entschädigungen. In Warschau wurde vor einem Jahr der Rabbi der Stadt niedergestochen. In den polnischen Fußballstadien werden die Gegner auch schon mal als "polnische Huren" bezeichnet.

Erklärung "Żegota"

"Żegota" war ein Codename für für die Unterstützung der Juden, die als Untergrundorganisation im deutsch besetzten Polen von 1942 bis 1945 wirkte. Nach Angaben von ihren Mitgliedern soll man etwa 75.000 polnischen Juden das Leben gerettet haben. Hierzu seien Dokumente gefälscht worden, welche sie als Polen auswiesen. Irena Sendler und Władysław Bartoszewski waren Mitglieder dieser Organisation welche von der polnischen Exilregierung in London gesteuert worden sein soll. Die Żegota finanzierte sich aus Zuwendungen von den durch Nazis verfolgten Juden. Wie schon zur Geschichte von Oskar Schindler, gibt es auch zu jener von Irena Sendler und der Żegota teilweise sehr widersprüchliche Berichte und auch Kritiken.

Video - Ausschnitt aus dem Irena Sendler Film

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