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Sonntag, 24. Dezember 2006


VergrössernEs ist kein Weihnachtsmärchen, sondern Warschauer Realität. 46 polnische Abgeordnete wollen Christus vom Parlament in Warschau zum gekrönten Haupt des Landes erklären lassen. Dass die säkulare Republik seit Jahrzehnten die Trennung von Kirche und Staat praktiziert, stört die Politiker nur wenig. Ein entsprechender Gesetzentwurf liege dem Präsidium bereits für die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen vor, berichtee führende polnische Medien.

Die Parlamentarier der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), der nationalistischen Liga Polnischer Familien (LPR) und der Bauernpartei PSL berufen sich in ihrem Projekt auf die katholische Tradition Polens ? schließlich wird bereits Maria, die Mutter des Kronprinzen, seit 350 Jahren als ?Königin der Krone Polens? verehrt. Die Initiatoren des Gesetzentwurfs, der bereits an Parlamentspräsident Marek Jurek überreicht wurde, stammen sowohl aus der Regierungskoalition als auch aus der Opposition.

Die "Deutsche Bischofskonferenz" und die "Apostolische Nuntiatur" des Papstes in Berlin lehnten gegenüber WELT.de eine Stellungnahme zu dem Vorstoß der polnischen Abgeordneten ab. "Dafür sind unsere polnischen Kollegen zuständig", hieß es aus beiden Vertretungen.

Die Begeisterung der katholischen polnischen Bischöfe für die Idee hält sich dagegen in Grenzen. ?Die Abgeordneten sollen sich mit dem befassen, was ihnen die Verfassung aufträgt und den religiösen Einrichtungen ihre Bereiche lassen?, erinnerte Bischof Tadeusz Pieronek an die Trennung von Staat und Kirche. ?Christus braucht keine Erklärung, dass er der König der Herzen ist.? Der Tageszeitung ?Gazeta Wyborcza?: ?Wir sind kein Religionsstaat und haben nicht vor, einer zu werden.? Die Idee stehe ?im Widerspruch zur Kirchenlehre? und sei ein politischer Missbrauch der Religion. Auch 51 Prozent der Bevölkerung sprachen sich in einer Umfrage der Tageszeitung ?Dziennik? dagegen aus.

Der Warschauer Bischof Leszek Glodz rief die Parlamentarier auf, sich lieber mit Dingen zu beschäftigen, von denen sie etwas verstehen. Einen Ratschlag zum Umgang mit der Religion hatte der Bischof dennoch für die Abgeordneten: ?Abgeordnete sollen beten und büßen, das tut ihnen gut.?

Der frühere Vorstandsvorsitzende des katholischen Radiosenders ?Plus?, Pater Kazimierz Sowa, sieht den Vorstoß als Zeichen des Überreifers. Das Problem bestehe darin, ?dass ihr Jesus Christus in eure Partei einschreiben wollt, und ich wünsche es mir nicht?, sagte er bei einer Diskussion im staatlichen Rundfunk.

Die Autoren des Gesetzentwurfes betonen, dass die Unterstützung der Religion durch den Staat in der EU keine Neuheit sei. Sie verweisen auf die Beispiele der Staatskirchen in England, Dänemark und Griechenland und berufen sich auch auf die katholische Tradition der polnischen Nation, darunter die Ausrufung der Muttergottes Maria zur Königin Polens (Regina Poloniae) im Jahr 1656.

Die Entscheidung vor 350 Jahren traf der polnische König Johann II. Kasimir (1609-1672). In der Lemberger Kathedrale vertraute er das von Schweden überfallene Polen dem Schutz der Gottesmutter an. Dieser feierliche Schritt wurde damals jedoch mit dem polnischen Primas abgesprochen und vom Vatikan unterstützt.


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