Warschau - Als genauen Zeitpunkt des Todes der Opfer der Flugkatastrophe vom 10. April bei Smolensk trugen russische Forensiker 10.50 Uhr (8.50 MEZ) ein - fanden jetzt Journalisten der polnischen Tageszeitung "Rzeczpospolita" heraus, die an drei Obduktionsprotokollen aus Russland gelangt waren. Bisher hatte Moskau die Absturzzeit 10.56 Uhr genannt, Warschau gar zuletzt 15 Minuten früher. Aus den Dokumenten geht ebenso hervor, dass als jeweilige Todesursache lediglich "mehrere Verletzungen" angegeben wurde, wobei sich nun die Hinterbliebenen selbst ausmalen dürfen, woran denn ihre Lieben gestorben waren. Noch schlimmer ist aber die Erkenntnis, dass es keinerlei Anzeichen darüber gibt, dass tatsächlich auch polnische Experten an den Obduktionen teilgenommen haben, denn auf den Berichten fehlen nicht nur die Angaben hierzu, sondern auch ihre Unterschriften. "Polskaweb" hatte schon vor einigen Tagen berichtet, dass bei den Identifizierungen der Opfer des Tu-154 Absturzes, Angehörige absurderweise die Leichen garnicht sehen durften.
Forense nennt keine Todesursache
Laut "Rzeczpospolita" fand man die wichtigsten Informationen in den forensischen Protokollen aus Moskau in den Paragraphen 18 bis 23, worin auch die Vernehmungen von Angehörigen zum Thema Identitfizierungen genannt werden. §18 enthält Informationen über die Personen welche die Sektionen durchgeführt haben. In jedem Fall wurde hier ein Arzt eines forensischen Institutes in Moskau genannt. §19 betrifft die Ursache des Todes. Diese haben der russische Mediziner jeweils knapp mit dem Wort "Polytrauma" beschrieben. §23 umfasst eine Beschreibung zu den Umständen unter welchen der Tod eintrat. Hier fügte man ein, dass die untersuchenden Ärzte sich sicher seien, wonach der Tod infolge eines Flugzeugabsturzes am 10 April 2010 (10,50 Ortszeit) eintrat.
Ärzte legten Absturzzeit neu fest
Schon kurz nach der Katastrophe am 10. April meldeten russische Medien, dass um 10.56 Uhr auf einem Militärflughafen bei Smolensk ein Flugzeug abgestürzt sei, wobei alle 132 Insassen, hierunter der polnische Präsident Lech Kaczynski, ums Leben kamen. Wie sich später herausstellte, waren genau zu diesem Zeitpunkt die Sirenen auf dem Flughafen losgegangen. Letzte Woche behauptete Premierminister Donald Tusk auf einer Pressekonferenz, dass die Flugschreiber der Tu-154 um 10.41 Uhr (8.41 MEZ) nicht mehr fuktionierten, was zuletzt als die wahrscheinlicher Zeit des Absturzes festgehalten wurde, obwohl es auch Anzeichen gibt, dass es vielleicht noch früher zu der Katastrophe gekommen sein könnte. Es ist auch bekannt dass ein erster Rettungswagen (ohne Sirenen) erst nach 11.00 Uhr an der Absturzstelle eintraf, warum steht also in den Protokollen 10.50 Uhr ?
"Todeszeit von irgendwoher erhalten"
"Rzeczpospolita": Der leitende Militär- Staatsanwalt Zbigniew Rzepa will nicht über dieses Thema sprechen. Nach einer Intervention unserer Anwälte, wird er gesprächiger. " Ich denke, dass die russischen Forensiker die Informationen über die Todeszeit von irgendwoher erhalten haben, weil der Arzt in unklaren Fällen nur annähernd die Zeit umschreibt" - sagte der Zeitung der ehemalige Staatsanwalt Kazimierz Olejnik. Der ehemalige Justizminister Zbigniew Cwiakalski behauptet dagegen, dass die Forensiker eine Todeszeit nannten, die ihnen am wahrscheinlichsten war.
Wo waren die polnischen Staatsanwälte ?
Schon 5 Stunden nach dem Absturz der Tupolew meldete Warschau, dass polnische- und russische Ermittler "Hand in Hand" an der "Unfallstelle" recherchieren. Später stellte sich allerdings heraus, dass die polnischen Experten erst gegen 23 Uhr russischer Zeit in Smolensk eingetroffen waren. Die Protokolle der Moskauer Forense zeigen nun ebenso was mit der Zusicherung Warschaus zur fruchtbaren polnisch- russischen Zusammenarbeit gemeint sein könnte, denn in diesen findet sich nicht einmal eine Spur von polnischen Staatsanwälten in dem russischen Institut.
Moskau und Warschau unter einer Decke ?
Besser arbeiten als die Staatsanwälte arbeiten allerdings die abhängigen polnischen- und russischen Medien zusammen. Während in den ersten 48 Stunden die Russen die Berichterstattung zum Hergang des Absturzes komplett übernahmen und die polnischen Kollegen abschrieben, läuft es seitdem genau umgekehrt. Das schlimmste für die Verursacher dieser Katastrophe sind nämlich Widersprüche. Deshalb lässt Moskau so wenig wie möglich polnische Hände, Ohren und Augen bei den "Untersuchungen" zu. Dass die polnische Regierung trotzalledem die Zusammenarbeit mit Moskau in so hohen Tönen lobt, ist ein weiteres Indiz zu möglichen kriminellen Hintergründen der Tragödie.
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Zeit passt nicht
Geschrieben von: Janusz () am 13-05-2010 13:27