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Putin in Katyn: "Versöhnung" über Gazprom PDF Drucken

Veröffentlicht in : Nachrichten, Politik




Putin in KatynSMOLENSK - Nach den Feierlichkeiten am Mittwoch zum Jahrestag des Genozides von Katyn nahmen Kommentatoren und Journalisten vor allen Dingen die am Grabe von Tausenden durch den NKWD getöteten Polen die "Trauerede" des russischen Regierungschefs auseinander um hieraus ihre Beiträge zu erarbeiten. Einige schauten auch hinter die Kulissen und kamen hierbei zu ganz anderen Ergebnissen, als der größte Teil ihrer Kollegen, welche die "Putin Geste" als ersten Schritt einer Versöhnung zwischen Polen und Russland erkannt haben wollen. "Putin auf den Knien an Gräbern polnischer Opfer der Sowjets" oder "Eine überraschende und faire Geste des russischen Premiers" - hiess es in den Medien von Honkong bis nach Leinfelden - Echterdingen. Doch wie das dicke Ende bekanntlich immer zuletzt kommt, kam es auch im Katyn nahen Smolensk gleich nach der Zeremonie zum Kern des Kniefalls, der sicherlich eher den dort ebenso begrabenen sowjetischen Opfern galt, denn den Polnischen. Lächelnd erklärte Putin nämlich anschliessend auf einer Pressekonferenz, dass er am Rande der Feiern, für die staatliche Energiegesellschaft Gazprom, mit Donald Tusk einen 27-jahre Vertrag zur Lieferung von russischem Gas nach Polen vereinbart habe.

 Konkret nannte Putin die Abdeckung der polnischen Gasversorgung bis zum Jahre 2.037 Jahre, sowie trotz Osteepipeline einen weiteren Vertrag über zum Gas-Transit nach West- Europa - bis zu zum Jahre 2045. Er fügte hinzu, dass die Unterzeichnung der erforderlichen Unterlagen kurzfristig erfolgen werde. "Die polnische Seite hat schon lange auf derartige Verträge gedrängt" - behauptete der russische Regierungschef auf die Frage eines Journalisten, warum man denn unbedingt in Katyn Geschäfte machen müsse. Putin hatte Tusk auch bestätigt, dass man am Freitag offiziell mit dem Bau der Ostseepipeline beginnen werde. Er versicherte, dass die Gasleitung nicht gegen Polen gerichtet sei, sondern eine "transparente Entscheidung zur Verbesserung der Versorgung Europas mit Gas."

 Vladimir Putin wurde weder von den russischen Medien noch vom Volke in den Online Foren wegen seines "Kniefalles" in Katyn kritisiert. Er hatte ja auch nichts gemacht bzw. gesagt, was irgendwo hätte beanstandet werden können. Ganz im Gegenteil, er sprach laut und deutlich über die russischen Opfer polnischer Aggressionen in den 20er Jahren, von deutschen Verbrechern, die in Katyn unschuldige sowjetische Soldaten töteten und erwähnte nur in diesem Zusammenhang, dass hier auch Polen durch Stalins Geheimdienst NKDW ihr Leben verloren. Schuld hieran seien aber nicht die Russen, sondern der damalige Chef des NKWD Lawrentij Berija, ein abchasischer Jude auch als "Stalins Himmler" bekannt, der damals den Befehl zur Ermordung der Polen in Katyn unterschrieben hatte. Putin fand aber auch hierfür eine mögliche Rechtfertigung: "Wahrscheinlich wollte Stalin sich für die in polnischer Gefangenschaft verhungerten (32 000) sowjetischen Soldaten rächen".

Schuld am Katyn- Massaker waren also die Sowjets und nicht die Russen. Auf gut Deutsch übersetzt müsste dies nach putinischer Logik dann heissen: Schuld waren die Nazis, aber nicht die Deutschen. Womit er zumindest teilweise sicherlich Recht hätte. Was war aber der von Medien so gelobte "erste Schritt zur Versöhnung" zwischen Russland und Polen am Mittwoch in Katyn ? Der Gazprom- Vertrag, der fürwenauchimmer- Kniefall Putins ? Seine Anwesenheit neben dem polnischen Amtskollegen am Grabe auch polnischer Opfer ? Schon 1990 war sogar ein amtierender sowjetischer Staatschef namens Michail Gorbatschow noch viel weiter als Putin jetzt gegangen und hatte öffentlich die Morde an 22 000 Polen in Katyn und anderswo als Verbrechen der Sowjets geoutet und sich hierfür entschuldigt. Gleichwohl tat dies auch sein Nachfolger Boris Jeltzin. Putin fand hingegen kein Wort der Entschuldigung für die Verbrechen von Katyn, was er später auf der Smolensker Pressekonferenz damit begründete, dass es ja schon Gorbatschow und Jeltzin getan haben.

Dass Moskau jahrzehntelang den Deutschen die Massaker bewusst zu Unrecht in die Schuhe schob, erwähnte er mit keinem Wort, spricht aber von einer Lüge, wofür man dem russischen Volke nicht die Schuld geben dürfe. Die Rede Putins an den Gräbern von Katyn war gut vorbereitet und kalkuliert. Aalglatt zog er hier seine Show ab. Zwei Dinge hoffte er mit seinem Auftritt an diesem Ort zu festigen, die Position des für Russland kleineren Übels in der Person von Donald Tusk als Gegenpol zu Figuren wie den Kaczynski Brüdern und einen Multimilliardenvertrag für die heimische Gazprom.

Während die polnische Regierung geschlossen den Auftritt Putins in Katyn begrüsst, kritisieren Opposition, und in den Online Foren großer Zeitungen das Volk, die "aalglatte" Geste des russischen Premiers von "Tropfen auf dem heissen Stein" bishin zu "antipolnischem Theater". Putin hatte den Dingen vor allen Dingen noch die Krone aufgesetzt indem er zum Schluss behauptete, es gäbe Zweifel dass so viele polnische Häftlinge ermordet oder nach Sibirien geschickt worden seien. Der polnische Aussenminister Radoslaw Sikorski war nach eigenen Angaben "sehr beeindruckt" von der Feier in Katyn": "Für mich brachte der russische Premierminister den Durchbruch nach Katyn" - sagte er am Abend. Gazprom gab inzwischen ein ähnliches Statement ab.

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Putin

Geschrieben von: Fröhlich () am 09-04-2010 08:45

Putin

Geschrieben von: Fröhlich am 09-04-2010 08:45

Von Putin hatte man nichts besseres erwartet. Zumindest hat er nun überhaupt einmal etwas gemacht. Die sog. deutsch-polnische Versöhnung läuft ja auch über Zuwendungen aus der Wirtschaft bzw. Staatskasse.

 

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Katyn

Geschrieben von: Lech Tylek () am 08-04-2010 16:34

Katyn

Geschrieben von: Lech Tylek am 08-04-2010 16:34

Putin als Vertreter der Russen, die noch vor kurzem das Verschwinden Sowjetrusslands als größte Katastrophe des 20. Jht. bejammert haben, muss sich vor allem bei den Deutschen entschuldigen. 
Jahrzehntelang haben sowohl Russen als auch Polen den Deutschen diesen Massenmord in die Schuhe geschoben. 
Schaun wir doch mal, wieviel derartige Massenmordlügen noch auffliegen. 
 
Ich erinnere nur an die wissenschaftlich belegte Anzahl von 8,6 Mio russischer Kriegsopfer, während die Russen bis heute von 27 Mio Toten schwadronieren.

 

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Ein bescheidener Anfang

Geschrieben von: Sofia () am 08-04-2010 14:47

Ein bescheidener Anfang

Geschrieben von: Sofia am 08-04-2010 14:47

So lobenswert und überfällig Reue und Ehrenbezeichung für die polnischen Opfer von Katyn sind, so ist diese Geste dennoch erst ein zaghafter Anfang, dem Reuebekenntnis und die Bitte um Verzeihung gegenüber den in diesem Zusammenhang schuldlos hingerichteten Deutschen folgen muessen. Auch sind damit Aufdeckung und Aufarbeitung von Verbrechen an deutschen wehrlosen Zivilisten gegen Ende des 2. Weltkriegs in Rußland, Polen, der ehemaligen Tschechoslowakei etc. nicht abgeschlossen und absolut erforderlich für eine ehrliche und bleibende Aussoehnung und Freundschaft unter den betreffenden Voelkern.

 

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Teil1

Geschrieben von: Wilm () am 08-04-2010 09:57

Teil1

Geschrieben von: Wilm am 08-04-2010 09:57

Menschenleben spielten nie ein Rolle. Macht einfach neue Menschen. Aber wißt ihr eigentlich wie schwer es ist an anderer Leute Geld zu kommen? Stalin scherzte nie. Nach der Aufdeckung des „Katyn Massakers“ durch die bösen Deutschen, folgte eine Serie von Prozessen, bei denen deutsche Offiziere als Schuldige der Katyn-Morde verurteilt wurden. Der erste Prozeß fand bereits 1943 in Mariupol' am Azovschen Meer statt, bei welchem vier deutsche Offiziere zum Tode verurteilt und umgehend hingerichtet wurden. Es folgten zwei weitere Prozesse in Smolensk mit zusammen 85 Todesurteilen, davon 18 gegen deutsche Generäle. Spektakulär verlief ein weiterer Prozeß in Leningrad, in welchem sich ein deutscher Angeklagter namens Arno Dührer schuldig bekannte und aussagte, er sei an Exekutionen im Wald von KatyD beteiligt gewesen, wobei 15 - 20.000 Personen getötet worden seien, unter ihnen Russen und Juden. Für diese Aussage wurde Dührer „nur" zu Straflager verurteilt, das er überlebte und nach Deutschland zurückkehrte. Andere Angeklagte - Karl Strüffling, Heinrich Remmlinger, Ernst Böhm, Eduard Sonnenfeld, Herbard Janike, Erwin Skotki und Ernst Geherer - verurteilte das Gericht zum Tode und am 5. Januar 1946 wurden sie hingerichtet. Drei weitere deutsche Angeklagte bestrafte man mit 20 Jahren Zwangsarbeit. Die Sowjets waren sich ihrer Sache so sicher, daß sie die Vorfälle von KatyD sogar in die Anklage des Nürnberger Prozesses (18.10.1945-1.10.1946) hineinschrieben; anfänglich war von 925 Ermordeten die Rede, bis der sowjetische Chefankläger Roman Rudenko diese Zahl im Februar 1946 plötzlich auf 11.000 erhöhte. Als Täter benannte er ein Pionierbataillon unter dem Tarnnamen „Stab 537", das angeblich unter Führung der Offiziere Arens, Hott und Rechts gestanden habe. So berichtete es die von den US-Besatzern herausgegebene „Neue Zeitung", wo es der ehemalige Offizier Reinhardt von Eichborn las und augenblicklich als Fiktion erkannte: Die Offiziere hießen Ahrens, Rex und Toth und die bewußte Einheit 537, in der Eichborn gedient hatte, war von Dezember 1941 bis Januar 1943 in Kasernen untergebracht gewesen, die sieben Kilometer von KatyD entfernt lagen. Eichborn fuhr nach Nürnberg, um dort auszusagen; auch der von Rudenko genannte Ahrens fand sich am Prozeßort ein.

 

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