Warschau - Die weitestgehends ungelöste Frage nach den Auslösern der Tupolew Katastrophe vom 10. April bei Smolensk in Russland zehrt von den täglichen neuen Erkenntnissen, die Journalisten und Internet- User durch eigene Recherche aus Smolensk, Polen und der Welt teils mühsam zusammentragen, denn von den Regierungen in Warschau und Moskau, sowie offiziellen Ermittlern ist so gut wie nichts neues zu erfahren. Regelmäßig werden jetzt sogar früher abgegebene Statements relativiert oder gar komplett widerrufen, was noch mehr Verwirrung stiftet, aber auch Politiker immer mehr ins Zwielicht stellt. Im Klartext bedeutet dies, dass die offiziellen Ergebnisse der Ermittlungen nicht wie im Normalfall immer umfangreicher werden, sondern kurioserweise laufend dünner. Es ist leicht festzustellen, dass eine große Mehrheit der Polen schon nicht mehr an einen Unfall in Smolensk glaubt. Man braucht nur in die Foren und Kommentarbereiche großer polnischer Medien wie "Gazeta Wyborcza", "Rzeczpospolita" oder "Dziennik" zu schauen, um zu wissen wie die Stimmung in Polen tatsächlich ist. Am kommenden Mittwoch will nun Premier Donald Tusk, gemeinsam mit einigen Ministern, immer lauter werdende Kritiken aus der Opposition und der Bevölkerung, mit einem Bericht über den aktuellen Stand der Ermittlungen entgegentreten.
Es gibt somit bis zur Stunde keinerlei offizielle Ergebnisse der Untersuchungen des Flugzeugabsturzes von Smolensk, da nur der russische Premier Vladimir Putin selbt, der die Gesamtleitung der Ermittlungen schon kurz nach Bekanntwerden der Katastrophe an sich gezogen hatte, Offzielles in dem Zusammenhang verkünden darf. Dies gilt gleichfalls augenscheinlich auch für offizielle Berichte zu den Recherchen polnischer Ermittler, wo nur Regierungschef Donald Tusk das Wort hat. Wir erinnern uns noch gut, dass schon kurz nach dem Absturz der Tupolew Putins Vize Iwanow bekanntgab, dass die Maschine verunglückte, weil ihr Pilot einen fatalen Fehler gemacht habe. Wenn er auch mit diesem Statement als Hellseher in die Geschichte eingehen möge, kann man sicherlich nun alle seine Worte nicht mehr als "offiziell" schätzen. Dies gilt gleichfalls für die Verkündungen anderer russischer Politiker und Medien, die von Anfang an den Piloten mit Lech Kaczynski im Nacken, als Verursacher der Katastrophe ausgemacht hatten und dann einen Punkt setzten. Polnische Medien und Politiker waren hingegen von Beginn an weit vorsichtiger mit derartig voreiligen Statements. In der ersten 10 Tagen kam nicht eine Klage über Putin, Russland bzw. russische Ermittler, doch in den letzten Tagen dafür umso mehr. Fehlende Transparenz, windige Aussagen russischer Politiker und die Zunahme von Hinweisen auf Ungereimheiten, haben die Stimmung gekippt und die Berichterstattung beeinflusst.
Klar scheint auf jeden Fall jetzt schon zu sein, dass die Russen offenbar Mauern und jeden Winkel internationaler Luftfahrtrechte ausnutzen, um so wenig wie möglich Informationen im Zusammenhang mit der Tragödie herausgeben zu müssen. Die polnische Öffentlichkeit befindet sich somit in ihrer Besorgnis komplett in den Händen Moskaus. Aber auch in Warschau scheint nicht alles rund zu laufen. Am Freitag forderten Abgeordnete der Opposition und Mitglieder des "Katyn Rates" einen internationalen Untersuchungsausschuss und den Rücktritt des polnischen Verteidigungsministers Bogdan Klich, weil der nach Aussagen eines Ermittlers der Nationalen Flugunfalluntersuchung, ihn gezwungen haben soll sich den Staatsanwälten am Orte der Tragödie unterzuordnen; gleichzeitig habe er ihm einen Dolmetscher mit dem Hinweis verweigert: "Sie sind doch eh nur drei Tage in Russland". Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang iauch ein Bericht der Tageszeitung Rzeczpospolita wonach schon wenige Stunden nach dem Absturz der Kaczynski Tupolew, die Wohnungen von drei der wichtigsten Begleiter des polnischen Präsidenten vom Geheimdiest durchsucht worden seien. Dem Leiter des Nationalen Sicherheitsbüros, habe man hierbei ein Notebook "gestohlen".
Weniger verdächtig, wenn auch erwähnenswert sind gleichwohl Ereignisse vor und nach der Tragödie die zum Tode des polnischen Präsidenten, seiner Gattin und 94 weiteren Menschen führte. Wobei besonders auffiel, dass es noch vor wenigen Tagen hiess, dass 21 Opfer des Flugzeugabsturzes nicht identifizierbar seien und nun DNA Analysen gemacht werden müssten. Einen Tag nach dem letzten derartigen Statement reiste die polnische Gesundheitsministerin Ewa Kopacz erneut nach Moskau. Kurz darauf hiess es, dass man nun 19 weitere Opfer identifizieren konnte und zwei bei der Katastrophe getötete Menschen garnicht identifiziert worden seien, da man ihre DNA niemanden zuordnen könne. Stunden später passte diese aber dann offenbar doch, denn die Ministerin gab bekannt, dass nun alle Opfer der Tragödie indentifiziert seien. Der schnelle zeitliche Ablauf der Dinge lässt vermuten, dass die DNA- Analyse offenbar einzig in russischen Laboren gemacht wurden und somit vom Wert her, nicht von jedermann anstandslos akzeptiert werden muss. Ob Warschau dies so einfach hingenommen hat, oder nicht, ist uns nicht bekannt. Fakt ist, dass bereits fast alle Opfer unter der Erde sind, wenn auch nicht ohne weitere Tragödien, denn bei Beisetzungen starben weitere 2 Menschen, ein Polizist wurde verletzt. Eines der Opfer, ein Mann im mittleren Alter, starb am Rande des Lubliner Friedhofs auf einem Grabstein, er soll gefallen sein. Ein anderer bei einem Verkehrsunfall.
Die Flugzeit und der Zeitpunkt vom Absturz des Todesjets sind nun auch widersprüchlich. Bisher hiess es, dass die Maschine um 8.56 Uhr (MEZ) (10.56 Smolensk) abgestürzt sei. Ein Journalist von "Polsat News" hatte die Tragödie aber bereits 10 Minuten früher seinem Sender gemeldet. Die Ankunft der Tupolew in Smolensk war für 8.25 Uhr vorgesehen. 62 Minuten Flugzeit vom Warschauer Fredrik Chopin Airport bis nach Smolensk hatte auch eine Simulation durch Experten der Firma FDS OPS bestätigt. Es gibt aber auch andere Indizien die darauf hinweisen, dass die Katastrophe schon vor 8.56 Uhr stattfand. In einem Smolensker Forum zeigte man Bilder von durch das Flugzeug um ihre Kronen beraubte Bäume und einer abgerissenen Leitung eines Stromastes. Eine weitere Mitteilung besagt, dass die Smolensker Stadtwerke die Unterbrechung der Stromversorgung durch diese Leitung um 8.41 Uhr registrierte. Wann genau allerdings die Tupolew in Warschau startete weiss aber offenbar auch keiner so richtig. Man geht aber inzwischen davon aus, dass der Jet mit gut 20 Minuten Verspätung gestartet war. Dies soll auch der Fall gewesen sein bei anderen polnischen Maschine die mit 13 Journalisten an Bord, schon vorab nach Smolensk geflogen war. Die Verspätung soll zustande gekommen sein, weil ihr Flugzeug irgendwelche Probleme hatte und man in eine anderes umsteigen musste.
Das Beispiel der unklaren Absturzzeit zeigt, mit wieviel Energie die polnisch-russische Ermittlungskommission an den Hintergründen der Flugzeugkatastrophe werkelt und wo ihre Prämissen liegen. Nach Ansicht von "Polskaweb" gibt es inzwischen mehr Indizien für ein Attentat auf Lech Kaczynski und seine engsten Vertrauten, denn für einen Unfall. Die Arbeit der Behörden beindruckt uns darüberhinaus kaum. Wir sind aber gespannt was der polnische Premier am Mittwoch zu erzählen hat, auch wenn dies unsere Erkenntnisse wohl kaum entkräften wird. Die wertvolle Arbeit von Untersuchungskommissionen in Osteuropa kennt man ja schon aus der Geschichte. Polen ist da auch nicht besser als Russland, zu viele mysteriöse Dinge passieren hier heute noch. Wir erinnern hierbei nur an die im letzten Jahr entdeckten Massengräber mit Hunderten bzw. Tausenden Zivilisten wie z.B. in Malbork, Podla Góra, Częstochowa oder Łódź. In Marienburg gab es unzählige Hinweise auf Verschleierungen durch Behörden. Menschen mit Kopfschüssen waren keine Opfer von Verbrechen, ein Massengrab wurde zum Bombentrichter gemacht, Staatsanwälte stellten ein. In Częstochowa sollen jetzt bis bis zu 2000 Skelette umgebettet werden. Wer die Toten sind, scheint auch schon klar zu sein: Juden, Polen oder russische Kriegsgefangene. Beweise hat man hierzu aber nicht. So kann man davon ausgehen, dass es durchaus wieder Deutsche waren die nach Verbrechen verscharrt wurden. Nach einem Internationalen Untersuchungsausschuss hat man in diesen Fällen aber nicht gerufen.
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Smolensk: Untersuchungskommission nur zu
Geschrieben von: Till () am 25-04-2010 22:32