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Vertreibungen: Deutscher greift polnischen Politiker an PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 16. Juli 2008


Vertreibungen - Film im SchweizerfernsehenDawid Jackiewicz aus Breslau (Wroclaw), polnischer Politiker und Parlamentarier für die rechtkonservative Partei PIS der Kaczynski Brüder ist, während einer Sendung des Schweizer Fernsehens zum Thema der Vertreibungen in Polen nach dem 2. Weltkrieg, zusammen mit der Journalistin Kinga Wołoszyn vom staatlichen polnischen Fernsehens TVP durch einen jungen Interviewpartner, der angeblich deutscher sein soll, fürchterlich blamiert und niedergemacht worden. Der junge Mann sei sehr selbstbewusst und intelligent aufgetreten und habe Polen beschuldigt eine große Mitschuld am Ausbruch des zweiten Weltkrieges und dem dadurch möglich gewordenen Holocaust zu haben und verlangte zudem von dem polnischen Parlamentarier eine öffentliche Entschuldigung für die Vertreibungen durch Polen ab 1945 - übersetzte der Berliner Korrespondent des Schweizer Fernsehens Thomas Vogel, der auch diese Sendung leitete, die Worte des Parlamentariers Jackiewicz, der das Interview fluchtartig und vorzeitig verlassen haben soll. Das polnische Aussenministerium in Warschau meldete derweil den Eingang einer Interventionsbitte von Jackiewicz, in der dieser um Hilfe bittet gegen das Schweizer Fernsehen von welchem er sich in eine "Falle" gelockt fühle und nun die Ausstrahlung dieses Interviews mit diplomatischer Hilfe verhindern wolle.

 

Der Politiker Dawid Jackiewicz, dessen Partei Recht und Gerechtigkeit (PIS) für eine völlige Unschuld der Polen an den beiden Weltkriegen und deren Folgen steht und jegliche Beteiligung von Grausamkeiten an Minderheiten leugnet hatte am Dienstag in Breslau wenig Glück mit der längst überholten "Nur- Opfer- Philosophie" seiner Partei. "Ich hatte mich mit dem Schweizer Fernsehen in Breslau verabredet um zu dem Thema Vertreibungen und Holocaust in Polen Stellung zu nehmen. Ich war der Meinung dass hierzu ein Dialog notwendig sei und bin dort hingegangen. Nachdem eine noch angenehme Diskussion mit einem weiteren Gast, der wohl ein Deutscher war, und meiner Person stattfand, begann dieser junge Deutsche auf einmal mich einen Nationalisten zu nennen und verlangte von mir und auch meiner Begleiterin vom TVP Fernsehen dass wir uns zu einer Schuld Polens an den Vertreibungen von Deutschen und anderen Minderheiten sowie zu einer Mitschuld am Holocaust bekennen sollten. Auch behauptete dieser Mann, dass Polen Schuld am Ausbruch des II Weltkrieges habe. Man forderte mich auf zu erklären wie und wann man denn in Polen gedenke, geraubtes oder beschlagnahmtes Vermögen der Minderheiten zurückzugeben. Wir waren völlig schockiert sodass ich nicht einmal mehr weiß, was ich dann alles noch gesagt habe, ehe ich die Aufnahmestätte verliess" - sagte Jackiewicz am Abend im staatlichen polnischen Fernsehen, welches von den Kaczynski Brüdern kontrolliert wird.

Polnische, rechtsgerichtete Medien melden am Mittwoch dass der PIS Politiker Jackiewicz sich habe vom Schweizer Fernsehen dazu hinreissen lassen, sich für die Beteiligung Polens am Holocaust und der Alleinschuld für die Vertreibungen zu entschuldigen. Einmal mehr wird der Parlamentarier nun niedergemacht. "Rzeczpospolita" schreibt dass der "angriffslustige" deutsche Interviewpartner von Jackiewicz der Held dieser Reportage war, der aber nach Ansicht des "ausgetricksten" polnischen Politikers zum Team des Schweizerfernsehen gehören solle. Der "Angreifer" soll der Enkel eines aus Ottmachau (Otmuchów) in Oberschlesien vertriebenen Deutschen sein der die Restituierung des Hab und Gutes seines Großvaters von Polen fordere. Die Journalistin Kinga Wołoszyn vom Kaczynski Fernsehen hatte nach ihren Angaben versucht mit dem 35 Jahre alten Deutschen zu sprechen, doch sei dieser so explosiv gewesen, dass sie es aufgegeben habe ihn zu befragen. Sie sei sehr erstaunt dass solche radikalen- und unsinnigen Theorien von einem noch so recht jungen Mann vorgetragen werden können. Thomas Vogel, der auch als Filmautor arbeitet und das Schweizerfernsehen in Deutschland vertritt, sagte im Nachhinein dem polnischen Fernsehen zu dem Eklat während seiner Sendung, dass der eigentliche Film über die Vertreibungen der Minderheiten aus Polen insgesamt sehr sachlich sein werde. Die Beleidigung des Politikers Jackiewicz seien nur entstanden durch die Meinung einer Seite, die andere Seite werde durch historisch belegten Fakten vertreten. Der Film wird deutlich unterstreichen, dass es nicht Polen, sondern Deutsche waren die für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verantwortlich seien. "Die Argumente von Herrn Jackiewicz waren sehr klug und diese werden wir in dem Film deutlich hervorheben" - sagte Vogel wörtlich dem polnischen Fernsehen.

 

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