Warschau - Man muss vorab sagen, dass es vor allen Dingen deutsche Medien waren, die schon kurz nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine nun eine Chance für eine sich anbahnende polnische-russische Versöhnung sahen. Als Grund für diese Annahme nannten sie die hervorragende Zusammenarbeit der Ermittler aus beiden Ländern und die Trauer in Russland um die polnischen Opfer der Katastrophe in Smolensk. Man muss natürlich berücksichtigen, dass zum Zeitpunkt der ersten derartigen Meldungen noch gar kein Ermittler aus Polen die Arbeit aufgenommen hatte und das russische Volk sich auf die Bewohner des kleinen Dorfes Severnyj beschränkte, auf deren Boden sich die Tragödie ereignet hatte. Ähnlich schnell wie die deutschen Journalisten waren auch die üblichen Wikipedia- Geschichtsschreiber, die Russlands tätige Anteilnahme in höchsten Tönen loben, aber dabei übersahen, dass ihr Bericht ansonsten voller Fehler war. Nur ein Beispiel hiervon ist die Behauptung, dass im Cockpit des Jets nur zwei Mann Besatzung waren, obwohl sich hier bekanntlich drei Piloten und ein Bord- Ingenier befanden. Alles in allem kann man heute, 17 Tage nach der mysteriösen Flugzeugkatastrophe, mehr denn je erkennen, dass nicht nur russische Verantwortliche, sondern auch Medien die Öffentlichkeit offenbar blenden und sie am Ende selbst, wie schon nach der Schweinegrippe, als Mitverschwörer übrigbleiben könnten.
Erste politische Konsequenz nach der Katastrophe ?
Logischerweise gibt es, je länger die Untersuchungen zum Absturz der Kaczynski Tupolew dauern und die Öffentlichkeit nicht über den Fortgang der Ermittlungen unterrichtet wird, mehr und mehr Hypothesen über die Ursachen der Katastrophe. Diejenigen welche solche Hypothesen verbreiten, sind aber meist keine Verschwörungstheoretiker, sondern Menschen die sich Gedanken machen und auf eigene Faust mit Hilfe des Internets oder bei der Analyse von Fotos, Filmen und Daten nach Indizien zum Hergang der Katastrophe suchen. Hieraus und aus Angaben von inzwischen verunsicherten polnischen Ermittlern, ergibt sich in den letzten Tagen viel mehr Information für die Öffentlichkeit, als es die leitenden "Ermittler" Donald Tusk und Vladimir Putin ihren Völkern eigentlich schulden. Lautstark wird jetzt auch bereits in diesem Zusammenhang der Rücktritt des polnischen Verteidigungsministers Bogdan Klich gefordert, er soll die Ermittlungen in Smolensk behindert haben, behauptet nicht nur Polens Generalstaatsanwalt Andrzej Seremet, der in den nächsten Tagen erneut nach Moskau reisen wird, um ein weiteres Mal um die Ergebnisse der Auswertungen von Flugschreibern zu betteln. Moskau hat bisher, ausser den Überresten der Opfer der Katastophe und Beschuldigungen gegen den Piloten der Tu-154 und Lech Kaczynski, noch nichts herausgegeben. Versöhnungserscheinung ?
Unbeantwortete Rechtshilfe- Ersuchen
Es gab nie ein gemeinsame polnisch-russische Untersuchungskommission zu dem Flugzeugabsturz. Von der ersten Minute an bestimmten die Russen das Ergebnis von Ermittlungen, wobei sie am Tage der Katastrophe ganz alleine waren. Polnische Experten durften ab dem zweiten Tag zuschauen was ihre "Kollegen" aus Moskau machten und sonst nichts. Die polnische Öffentlichkeit versteht nicht, warum Polen kein Recht auf selbständige Untersuchungen vor Ort eingeräumt wurde und immer noch nicht wird, obwohl es hier um den Tod ihres Präsidenten geht. Generalstaatsanwalt Seremet soll bei seinem Moskauer Besuch ebenfalls erneut nach mehr Einblick in die Ermittlungen bitten und Druck bezüglich der Anworten auf eine ganze Reihe unbeantworteter Rechtshilfe- Ersuchen machen. Hierzu gehören auch die Fragen nach dem Equipment des Smolensker Flughafen zur Zeit des Absturzes, die im Internet kursierenden Bilder von Soldaten welche kurz nach der Katastrophe hier Landelichter austauschten, einem Amateur- Video von der Absturzstelle vor dem Eintreffen der Rettungskräfte, auf dem Schüsse zu hören sind, dem Verbleib von mehreren Dutzend Ersatzmagazinen für die Waffen der polnischen Sicherheitskräfte, genauen Wetterdaten für den 10. April sowie der Klärung der Frage warum nur ein Fahrzeug der Flughafenfeuerwehr und die ersten eintreffenden Ambulanzen aus Smolensk ohne Blaulicht und Sirenen zum Absturzort eilten.
Vierter Flugschreiber aufgetaucht
Während die wichtigen Informationen aus den Flugschreibern offiziell immer dünner werden, nehmen die Mysteriösitäten zu. Nach offiellen Angaben aus Moskau ist jetzt ein vierter Flugschreiber der Tupolew aufgetaucht. Woher die russischen Ermittler plötzlich dieses Teil haben, ist noch nicht bekannt. Nicht weniger sensationell ist auch eine neue Meldung durch eine Quelle aus dem polnischen Innenministerium, in der es heisst, dass sich zum Zeitpunkt des Absturzes bereits Beamte der polnischen Spezialeinheit BOR auf dem Flughafen von Smolensk befunden haben sollen. Sie haben zu den ersten gehört welche sahen was geschehen waren und seien bereits am Tage vor der Katastrophe zur Vorbereitung des Schutzes der polnischen Delegation angereist. Diese Beamten sollen angeblich die Handies, Notebooks und Dokumente der Opfer in "Sicherheit" gebracht haben. Ob sie die auf den bisher bekannten Filmen vermissten Leichenteile sahen, oder gar Zugang zum Tower hatten, wurde nicht gesagt. "Sie waren die Ersten am Absturzort, Ihre Aussagen werden extrem wertvoll für die polnischen Ermittler sein" kommentierte einer der bei den Untersuchungen tätigen Staatsanwälte die Meldung aus dem Ministerium.
Smolensker Flughafen hat Flughafenkennfeuer "Beacon"
Es wird gesagt, dass die abgestürzte Tupolew Tu- 154M bei der Landung zu tief war und noch vor dem Erreichen der 2, 5 Kilometer langen Landebahn, nach dem Kontakt mit Bäumen, abgestürzt war. Warum das Flugzeug mindestens 50 Meter tiefer reinkam als es sein sollte, ist noch nicht bekannt, aber hierüber wird kräftig spekuliert. Aber die Spekulationen sind leider alles andere als phantastisch. Jeder der drei sich an Bord befindenden Piloten war schon mehrmals mit verschiedenen Flugzeugen in Smolensk. An Bord der Tupolew befand sich ein aktualisiertes Handbuch zu den Eigenheiten von Technik und Orthographie des gemischt genutzten Severnyj Airports. Jetzt wurde bekannt, dass der Flughafen sogar über ein ein Beacon System verfügt, dass dem Piloten in Intervallen anzeigt, in welcher Entfernung und wo er sich befindet. Die blinkenden Beacon- Strahler sind schon aus großer Entferung und auch bei dichtem Nebel zu sehen. In Smolensk steht der erste Strahler ein Kilometer vor der Start-und Landebahn. Der nächste in 4 Kilometer Entfernung und ein dritter leuchtet nach 6 Kilometern. Hieran kann der Pilot bei schlechtem Wetter seine Höhe anpassen.
Woher kam dieser Nebel ?
Die Tupolew hatte darüberhinaus alle erdenklichen Neuheiten der Sicherheitstechnik an Bord, hierunter auch ein Taws System, 3D Simulatoren sowie 3 Höhen und Geschwindigkeitsmesser. Das Verhalten des Todesjet Sekunden vor der Katastrophe, wozu es auch Zeugenaussagen gibt, könnte vermuten lassen, dass möglicherweise eine ganze Menge Geräte nicht oder nicht richtig funktionierten. Was auch nachdenklich stimmt ist der Hinweis eines Bewohners der Absturzregion, welcher das Aufkommen des Nebels am 10. April als eine sehr aussergewöhnliche Erscheinung beschrieb: " Zu dieser Jahreszeit gibt es normalerweise hier keinen Nebel, doch von einer Minute zur anderen, kam dieser mit einer Dichte auf, wie ich es noch nie gesehen hatte, plötzlich sah ich sogar das Haus meines Nachbarn nicht mehr". Der Mann wohnt allerdings einige Kilometer vom Flughafen Severnyj entfernt. Was ihm aber noch in dem Zusammenhang auffiel, war eine Iljuschin, welche vor dem Erscheinen des Nebels Kreise am Himmel zog. Nach Ansicht des polnischen Generalstaatsanwaltes, habe man keine rechtlichen Mittel auch solche Dinge vor Ort eigenständig zu untersuchen. Diese Fragen seien in bilateralen Abkommen geregelt. Wenn die Katastrophe nicht in Russland geschehen wäre, hätte man sicherlich in anderen Ländern schnell einen gemeinsamen und gleichwertigen Untersuchungsausschuss geschaffen. Kurioserweise hatte Lech Kaczynski selbst, im vergangenen Jahr ein solches Abkommen mit Russland unterzeichnet.
Politische Spielchen ?
Polen hat einen der vier Flugschreiber selbst ausgewertet. Dieser soll angeblich auch alle Daten enthalten, welche die russischen Black Boxes aufzeichneten. Die Regierung will die Ergebnisse aber nicht veröffentlichen, bevor diese nicht mit den russischen Auslesungen synchronisiert werden konnten. Die Russen kennen mit Sicherheit aber mit Sicherheit nicht alle Details polnischer Erkenntnisse über den verhängnisvollen Flug. So spielt man in Moskau auf Zeit, um über den Druck der polnischen Öffentlichkeit an Untersuchungsergebnisse aus Warschau zu kommen. Die Nachricht über die Bor- Sicherheitskräfte am Absturzort, kurz nach der Katastrophe, muss auch nicht wahr sein, ebenso die Geschichte des jetzt aus heiterem Himmel gefallenen vierten Flugschreiber. Beide Seiten bluffen möglicherweise um sich Gegenseitig Informationen aus der Nase zu ziehen. Somit könnte man auch bald mit der Sensation rechnen, dass die abgestürzte Tupolew garnicht jene mit der Seriennummer 101 war, sondern diese schon seit einiger Zeit im russischen Samara zur Generalüberholung steht. Somit war dann, warum auch immer, die Schwestermaschine Opfer der Katastrophe in Russland. Sicher ist bisher aber, dass zumindest einer den Absturz überlebt hatte, der polnische Adler aus der Lounge des Präsidenten. Er wurde am Dienstag unversehrt an Polen übergeben.
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Geschrieben von: P.S. () am 29-04-2010 10:45